Review 281121 Battlefield 2042

Battlefield 2042

Peng, Du bist tot (wenn nicht ein Bug mich daran hindert)

Irgendwie hat es Battlefield ja mit der 42. Vor 19 Jahren startete die Reihe mit „Battlefield 1942“, 2006 erschien dann das futuristische „Battlefield 2142“ und jetzt – nach einigen Verschiebungen –  „Battlefield 2042“. Dazu dann natürlich noch 11 weitere Haupt-Ableger – kaum ein Jahr verging ohne den Shooter von Dice. Dabei hat die Serie so ziemlich jedes Szenario, jeden Schauplatz und jede Gegner-Konstellation ausgeschlachtet. Erster und Zweiter Weltkrieg, Vietnam, Naher und Ferner Osten, Mittlerer Osten, Kasachstan und China, EU gegen Pan-Asiatische Koalition, USA gegen Russland, USA gegen Vietnam, Polizei gegen Gangster und viele mehr. So flüchten sich die Entwickler mit Battlefield 2042 – 15 Jahre nach dem letzten Zukunftsszenario – erneut in eine nahe Zukunft mit fiktiven Kriegsparteien. Mit vielen neuen Ideen und einiges an Altbewährtem. Wie funktioniert dieser Mix? Schauen wir mal.   

  (Copyright: EA DICE)
Nichts für Solisten

Vorab: Ich habe Battlefield 2042 in der Early Access Phase gespielt, also vor dem offiziellen Release am 19. November. Gut möglich also, dass inzwischen der ein oder andere Bug beseitigt worden ist. Oder neue hinzugekommen sind. Das nur zur Info.

Ich gebe es zu: Ich bin einer von den Leuten, die bei Shootern inzwischen am liebsten die Solo-Kampagne spielen. Ich mag einfach große Inszenierungen, schöne Cutscenes und gut erzählte Geschichten. Und fühle mich in der Hektik von wüsten Multiplayerschlachten immer etwas unwohl. Ich bin da – vermutlich altersbedingt – etwas zu lame geworden, die Reflexe funktionieren nicht mehr so wie früher. Bei Battlefield 2042 habe ich da allerdings schlechte Karten, denn eine Solo-Kampagne fehlt dieses Mal komplett. Dabei wäre die zum Verständnis der Hintergrundgeschichte eine gute Sache gewesen – die dann so etwas zu kurz kommt und unverständlich bleibt.


  (Copyright: EA DICE)
Die Story: Joa… es gibt eine… irgendwo

Die neue Folge spielt – wer hätte das gedacht – im Jahr 2042. Der Klimawandel hat die Erde voll erwischt, Küstenregionen überschwemmt und weite Teile der Welt unbewohnbar gemacht. Staaten kollabieren. Eine große Flüchtlingswelle setzt ein, die Menschheit kämpft um die verbleibenden Ressourcen. Mittenmang dabei die beiden Lieblings-Supermächte der Battlefield-Macher, die USA und Russland. Dass dabei China komplett ausgeblendet wird, ist natürlich Blödsinn. Der Spieler gehört aber nicht zu einer der beiden Seiten, sondern zu einer Söldnertruppe, gebildet aus den ehemaligen Soldaten der untergegangenen Staaten – staatenlose Miet-Soldaten also, die mal für die eine, mal für die andere Seite kämpfen.

 (Copyright: EA DICE)

Die Spielmodi: All Out Warfare

Werfen wir mal einen Blick auf die Spielmodi. Da ist zuerst die Kategorie „All-Out-Warfare“ mit ihren beiden grundsätzlich bekannten Modi „Durchbruch“ und „Eroberung“. Dabei müssen aber nicht nur eine Fahne, sondern gleich mehrere Punkte in einem Abschnitt erobert UND gehalten werden. Was schon mal zu einem hektischen Gerenne zwischen den einzelnen Punkten führt, wenn nach einer Eroberung niemand zur Verteidigung zurückbleiben will und der Feind die gerade gewonnene Stellung locker überrennt.

Der Modus „Durchbruch“ spielt sich ähnlich: Hier müssen nach und nach Abschnitte auf der Karte gewonnen und so der Feind zurückgedrängt werden. Beide Modi können – übrigens als einzige hier in Battlefield 2042 – auch mit und gegen Bots gespielt werden; das einzige Zugeständnis an Solisten. Die Bots machen ihre Sache dann auch ganz ordentlich, haben aber gerade beim eben erwähnten Halten einer gewonnenen Stellung die Angewohnheit, geschlossen gleich zum nächsten Punkt auf der Karte zu laufen und so dem Gegner die Tür aufzuhalten. Wesentlich mehr Spaß macht das natürlich, wenn man mit einem eingespielten menschlichen Trupp unterwegs ist, wo jeder weiß, was er zu tun hat.

  (Copyright: EA DICE)
Noch mehr Spielmodi: Hazard Zone und seine Squads

Neu dagegen ist die nächste Kategorie, bzw. der nächste Modus, die Hazard Zone. Hier kämpfen Squads (in Form von acht bzw. sechs Viererteams) darum, Festplatten aus dem Kampfgebiet zu bergen und damit dann eine der beiden Evakuierungsmöglichkeiten zu erwischen. Zu den menschlichen Gegnern kommen hier dann auch noch Botgegner hinzu. Die sind zwar ziemlich gut ausrechenbar, aber bringen deren Abschüsse auch noch ein paar zusätzliche Credits.

Gelingt die Flucht, gibt’s jede Menge der erwähnten Credits, mit denen man Waffen, Aufsätze und Extras kaufen kann, während der Verlierer leer ausgeht. Und bei der nächsten Runde dann im Nachteil ist, weil er da nicht aufrüsten kann. Das führt schnell zu einer Ungleichheit und zum Frust: Während ein Squad immer stärker wird, verlieren die anderen den Anschluss. Bayern München Effekt nennt man das.

  (Copyright: EA DICE)
Ich bau mir einen Modus: Portal

Hinter Kategorie drei, dem Portal, verbirgt sich eine Besonderheit (bzw. gleich mehrere): Zum einen sind das je zwei neu aufgelegte Maps aus Battlefield 1942, Bad Company 2 und Battlefield 3, vor allem aber auch die Möglichkeit der Community, sich über die Webseite Battlefield Builder eigene Modi zu basteln. So ist dieser Modus dann auch schnell auf Platz 1 der Beliebtheitsskala gelandet.


  (Copyright: EA DICE)
Große Maps. Zuweilen zu große Maps.

Sieben große Maps hat Dice mitgeliefert: Ein Verladehafen in Singapur, ein Weltraumbahnhof in Französisch Guyana, ein Schiffsfriedhof in Indien, das vom Sand zerstörte Zentrum von Dohar, eine Station in der Antarktis, ein Agrar-Versuchsgelände in Ägypten und eine südkoreanische Planstadt. Mal eben nachzählen… ja, sind sieben. Die Maps sind durchaus abwechslungsreich gestaltet, bei denen auch in der Vertikalen einiges los ist, und die mit ein paar interessanten Ideen gespickt sind. Da ist zum Beispiel ein verwinkeltes Fußballstadion in Dohar, eine Ölbohrplattform oder die Schutzmauer in Ägypten mit ihren manipulierbaren Toren.

Gleichzeitig gibt’s aber auch zwischen diesen Points of Interest gigantische Freiflächen, wo nichts los ist – für deren Durchquerung man ewig braucht, wenn man gerade mal kein Fahrzeug erwischt. Das ist zwar viel Platz für ausufernde Panzergefechte, unmotorisierte Infanteristen sind damit aber auch ein gefundenes Fressen für die Sniper und Raketenwerfer. Die riesigen Karten werden allerdings durch die Tatsache etwas entschärft, dass jetzt bis zu 128 Spieler gleichzeitig darauf herumtoben dürfen – bzw. 64 bei den alten Konsolen. Das ist dann schon schwer beeindruckend, wenn sich zum Start die Massen in Bewegung setzen, wenn Panzer an uns vorbeidröhnen oder Helis und Kampfjets im Tiefflug über uns hinwegpfeifen.

 (Copyright: EA DICE)

Wetter, Zerstörung und Spezialisten

Neu sind die Wetterphänomene auf den Maps, wie Tornados oder Sandstürme. Die nehmen zwar die Sicht und stören unsere Übertragungen, richten aber ansonsten erstaunlich wenig Schäden an. Überhaupt ist es mit den Beschädigungen und Zerstörungen hier nicht so weit her wie gewünscht: Kleinere Wände, Fahrzeuge, Benzintanks – kein Problem, solange es vorgesehen ist. Komplette Hochhäuser abzureißen ist aber z.B. nicht möglich.

Neben den jetzt größeren Karten sind vor allen die individuellen Spezialisten die größte Neuerung, die die alten Klassen ablösen. Die kommen jeweils mit einem speziellen Gadget und einer einzigartigen Fähigkeit, können sich aber ansonsten völlig frei ausrüsten. Da ist zum Beispiel Sundance mit seinem Wingsuit, die Aufklärerin Paik, die mit ihrem EMG-Scanner Feinde durch Wände sehen kann, Macka y mit seinem Enterhaken, Maria Falck und ihre Heilpistole oder Dozer mit seinem ballistischen Schild. So ganz ausbalanciert ist das noch nicht, bringt aber frischen Wind rein.

Zum Start sind nur 22 Waffen im Angebot – ziemlich dürftig, vor allem, wenn man bedenkt, dass Waffen für die kurze Distanz mangels vieler Innenräume eher nutzlos und vor allem recht ungenau sind. Aber weitere sollen noch dazu kommen – mal abwarten.


 (Copyright: EA DICE)

Je nach Plattform mal (viel) mehr, mal weniger Bugs   


Technisch ist Battlefield vor allem auf dem PC eher bescheiden, mit detailarmen Objekten, Framerateeinbrüchen, Pop-ups, nachladenden Texturen, schwebenden oder feststeckenden Figuren, Volltreffern, die nichts bewirken und instabilen Servern.

Hinzu kommt, dass das User-Interface völlig unübersichtlich ist, es keinen VoiceChat gibt (was für ein Game, das auf Kommunikation in den Squads setzt, ein No Go ist), dass Teamkameraden manchmal nicht geheilt werden können und Verbündete plötzlich als Gegner markiert und zum Abschuss durch die eigenen Leute frei gegeben werden.


 (Copyright: EA DICE)

 Fazit

Battlefield 2042 hat wahrhaft epische mittendrin Spielmomente und kommt mit einer Menge guter Ideen, von denen aber einige aber leider noch nicht so ganz ausgereift sind. Bugs, Balancing-Probleme und nicht ganz zu Ende gedachte Features machen den Spielern das Leben unnötig schwer. Man wird das Gefühl nicht los, dass dem Game ein paar weitere Monate Entwicklungszeit gut getan hätten. Das Fundament ist gut, daraus kann was Großes werden. Dafür ist aber noch einiges an Arbeit notwendig.

Game: Battlefield 2042

Genre: Shooter

Plattform: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series, PC

Release: 19.11.21

Entwickler/Publisher: EA DICE

USK: Ab 16

Webseite: https://www.ea.com/de-de/games/battlefield/battlefield-2042

Wertung: 7 von 10

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