Review 190801 Wolfenstein

Wolfenstein Youngblood
Der neue Ableger der Kult-Shooter-Reihe Wolfenstein ist da. Wer aber nach dem letzten Teil – New Colossus – noch dachte, dass hier erneut der Serienheld Blaskowicz wieder zur Knarre greift, der irrt. Der nämlich ist verschwunden. Stattdessen sorgen seine beiden Teenie-Töchter für die Action. Aber kann das gut gehen? Oder ist das dieses Mal nur lahmer Kinderkram?
Darum geht‘s

Wolfenstein Youngblood spielt 20 Jahre nach New Colossus, also 1980. Nachdem der Held früherer Folgen, Joseph Blaskowicz, die Weltherrschaft der Nazis zurückschlagen konnte, haben die sich nun in Europa, genauer: in Paris breitgemacht, das inzwischen Neu-Paris heißt.  Und wo Blasko ist, ist der Stress mit den Nazis Programm. Nur kommt es dieses Mal anders als erwartet: Blaskowizc ist plötzlich verschwunden. Seine Töchter, Jess und Soph, machen sich auf die Suche nach Papa. Eine heiße Spur führt nach Paris. Dort schummeln sie beim örtlichen Widerstand im Einstellungsgespräch ein wenig und geben sich als geübte Nazijäger aus – haben bisher allerdings nur auf Dickhornschafe geschossen. Der erste Auftrag kommt trotzdem rein und führt sie an Bord eines deutschen Zeppelins.
Teenie-Helden

Das erste Aufeinandertreffen mit den Nazis sind dann auch ein wenig unbeholfen. Schnell wird aus dem zurechtgelegten Plan ein dilettantisches Schlachtfest. Worauf sich die etwas sensible Soph dann – zwischen den erleichterten Jubelschreien – herzhaft übergibt. Auch ein Novum in der Shooter-Historie. Überhaupt schwanken die beiden schießwütigen Schwestern zwischen coolen Sprüchen und herzhafter Dauerballerei auf der einen Seite und altersgerechten Zweifeln und Ängsten auf der anderen, die sie aber natürlich nie zugeben würden.

Insgesamt also ein recht menschliches, sympathisches Heldenpärchen, das irgendwann im Hauptquartier des Untergrundes landet und dort zusammen mit den örtlichen Kräften unter den Nazis aufräumt.
Ganz auf Ko-op ausgelegt

Aber Moment mal – zwei Heldinnen? Welche steuere ich denn dann? Tja, damit wären wir – neben den ungewöhnlichen Heldinnen – bei der zweiten Besonderheit dieses Wolfenstein-Ablegers. Der nämlich ist ganz auf Koop-Play ausgelegt. Entweder suchen wir uns also einen fremden Mitspieler im Netz oder laden jemanden aus unserer Freundesliste ein. Sehr schön: Wer eine Deluxe Edition gekauft hat, kann auch Kumpel ohne eigenes Game per Buddy Pass dazu holen.

Aber was ist, wenn der andere viel stärker ist als ich? Oder viel schwächer? Kein Problem: Unsere Spielfigur levelt bei Erfolgen hoch, indem wir Punkte auf dem dreiarmigen Skilltree verteilen oder unseren Kampfanzug verbessern. Treffen nun zwei unterschiedlich weit gelevelte Charaktere aufeinander, wird einfach gemittelt: Der gute wird schlechter, der schlechte wird besser. So passt das dann, weil auch die Gegner unterschiedliche Level haben und mit euch immer stärker werden.

Sind die dann für euch noch zu schwer, müsst ihr erstmal einen Bogen um das betreffende Gebiet machen und euch in den zahllosen, bis auf einige Ausnahmen doch recht repetitiven Nebenmissionen die nötigen Skills aneignen. Was mitunter etwas nervtötend sein kann. Gefundene Items, Kohle, Waffenverbesserungen oder Level-Ups dürfen am Ende beide Koop-Spieler behalten; den Story-Fortschritt bekommt aber nur der Host gut geschrieben. Schade. Aber das war noch nicht alles aus der Frust-Schublade: Ist eine der Schwestern nämlich schwer verwundet, kann sie von der anderen geheilt werden. Schafft die das nicht, verliert ihr eins der drei Herzen. Sind alle drei Herzen weg, müsst ihr die Mission wieder komplett neu starten. Was gerade bei längeren Abschnitten kurz vor Ende zu dezenten Wutausbrüchen führt.

Wer aber nun gar keinen Bock auf traute Zweisamkeit hat – oder gerade niemanden findet – der kann auch alleine zocken. Dann übernimmt die KI die freie Schwester, und das gar nicht mal schlecht – wenn auch lange nicht so gut wie ein menschlicher Kollege.
Und auch das ist anders

Aber es gibt natürlich auch viel Gutes zu berichten: So verläuft die Story jetzt zum Beispiel nicht mehr – wie sonst bei Wolfenstein – strikt linear; stattdessen könnt Ihr euch aussuchen, in welche Haupt- oder Nebenmission Ihr euch als nächstes stürzen wollt. Passend dazu ist auch die Spielewelt viel offener gestaltet, mit begehbaren Gebäuden, kleinen Seitenstraßen oder Ausflügen in die Kanalisation. Da macht die Erkundung schon Spaß, auch wenn vieles doch recht ähnlich aussieht.

Was dagegen viel zu kurz kommt, ist eine gute Story – sonst doch einer der großen Pluspunkte von Wolfenstein. Großartig inszenierte Zwischensequenzen finden sich eigentlich nur in den spärlichen Story-Missionen, ansonsten ackern wir uns durch die Untergrund-Aufträge für die nötigen Skills. Und dass die Bossgegner oft einfach nur unfair schwer sind, bessert unsere Laune auch nicht.
Sooo schlecht ist das gar nicht. Aber auch nicht so gut.

Aber ok, Wolfenstein Youngblood ist kein Wolfenstein 3 und dazu auch mit knapp 40 Euro kein absoluter Vollpreistitel – da muss man halt schon mit einigen Abstrichen rechnen. Die gibt’s auch bei der Spielzeit: Je nach Akribie seit ihr nach 15 bis spätestens 30 Stunden durch damit. Das klingt negativer als es ist: Trotz allem entfaltet Youngblood mit seinen fiesen Nazigegnern, dem einfallsreichen Waffenarsenal und seiner kompromisslosen Action das gewohnt-geliebte Wolfenstein-Flair. In das man auch mal für einen schnellen Ausritt eintauchen kann – die Vereinfachung hat auch Vorteile, die vor allem zu zweit Laune machen.

Auch, weil technisch alles beim alten ist – sieht aus wie Wolfenstein, hört sich an wie Wolfenstein. Wenigstens da gabs keine Abstriche.
Fazit

Die Action macht immer noch Laune, vor allem zu zweit. Etwas mehr Story und etwas weniger belanglose Nebenmissionen wären aber schön gewesen.  Für zwischendurch ist das ok, wer mehr erwartet, wird eventuell enttäuscht.
Game: Wolfenstein - Youngblood
Genre: Shooter
Release: 26.07.2019 (PC, PS4, Xbox One)
Entwickler/Publisher: Bethesda
USK: ab 18
Sprachausgabe/Texte: Deutsch /Deutsch (deutsche Version)
Webseite: https://bethesda.net/de/game/wolfenstein-youngblood

Wertung: 7 von 10

                                             Trailer:
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